Projekt goeast 2011
Deutschland - China, 15 Länder, 15.000km, zwei Fahrräder, vier Monate. Start: 03. April 2011

Wir nehmen einen Zug von Magao in Goa nach Hampi, diesmal tagsüber, denn die Zugstrecke an sich soll schon sehenswert sein. Hampi liegt an einem Fluss, etwas entlegen von Großstadtlärm und Trubel. Es befindet sich in einem riesigen Gebiet, bestückt mit Tempelanlagen inmitten von riesigen Steinbrocken, die sich bizarr übereinander stapeln und so aussehen als hätte der Erschaffer der Welt einfach mit Steinen Würfeln gespielt.

Ausblick von unserer Dachterasse in Hampi

Bunte Farben an einem Verkaufsstand. In diesem Teil des Landes gibt es noch immer Holi-Farben zu kaufen.

Wir erkunden einen Teil der Tempelanlagen mit gemieteten Fahrrädern. Wie meistens sind das aber absolute Mistdinger, sodass das Herumfahren bei 40°C zu einer Tortur wird. Immerhin haben wir so die Möglichkeit abseits der Pfade unbekannte Dinge zu entdecken.

Steven und Martina

Wie hält das nur?

Frische Kokosnuss

Relaxen im Schatten

Mobiler Tempelwagen auf dem Hampi-Bazaar

Tungabhadra-Fluss bei Hampi

Frischen Kuhfladen vom Boden aufgesammelt und in der Hand weggetragen. Eignet sich gut als Brennmaterial!

Hampi ist ein Paradies für Kletterer. Das im Hinterkopf gehabt, bringe ich bereits meine Kletterschuhe von zuhause mit.

Schonmal jemand in so einem sensationellen Panorama geklettert?

Eine Übernachtfahrt im Schlafbus bringt uns zurück nach Goa, diesmal nach Arambol. Betten im Bus sind eine gute Sache, aber in Deutschland braucht man das weniger als in einem Land, in dem 500km gleich mal 16 Stunden Busfahrt bedeuten.

Wir genießen die letzten Tage in Indien in der Sonne. Mit frischen Säften, Seafood, einer Hütte mit Meerblick und Beachvolleyball geht die Zeit schnell herum.
Außerdem ist an diesem Strand Goas das Hippie-Leben noch sehr aktiv. In Batik-Kleidung gehüllte Aussteiger, verwahrloste Senioren und ähnliche Leute treffen sich ab Sonnenuntergang am Strand zum gemeinschaftlichen Yoga-Praktizieren, Trommeln und Gitarre spielen. Ein amüsanter, aber interessanter Anblick für uns.

Synchronyoga bei Sonnenuntergang

Ein königliches Frühstück

Beim Volleyball-Spielen mit ein paar Indern am Strand

Mit Sarah fahre ich mit einem gemieteten Roller nach Old Goa, wo die größte Kirche Asiens stehen soll. Für meinen Geschmack sieht die allerdings gar nicht so riesig aus. 120 km am Tag mit dem Roller auf Indiens Straßen mit Linksverkehr sind nicht ohne, aber man gewöhnt sich daran die Hupe dauerhaft zu benutzen und dann klappt’s auch ohne Unfall.

Basilica of Bom Jesus

Immaculate Conception in Panjim, der Hauptstadt Goas

Wir fahren im Schlafbus zurück nach Mumbai, verbringen hier den restlichen Tag und steigen am Abend in den Flieger, der uns zurück in das glücklicherweise gar nicht mehr so kalte Deutschland bringt.

Schild an einem Wagon eines Lokalzuges in Mumbai. Wer versteht warum Krebspatienten als behindert gelten oder warum ein Krebs etwas mit der Krankheit zu tun hat, kann gerne Bescheid geben.

Zu guter Letzt ein großes Dankeschön an alle Mitleser, an alle, die immer nette Kommentare abgeben, an Sarah, die diesen Urlaub wieder wunderbare Bilder geschossen hat und an Steven und Martina als unkomplizierte Reisepartner.

Namsté,
Valentin

2 Kommentare, Geschrieben am 19. März 2010, Indien, Indien 2010

Nach einer sechzehnstuendigen Fahrt von Mumbai nach Goa in Obhut zweier agressiver Busfahrer, deren einer eine halbe Nacht eingeschlossen im Gepaeckraum des Busses schlaeft und wir hinter uns dauerhaft kotzende, stinkende, franzoesische Kerle haben, erreichen wir den kleinsten Bundesstaat Indiens.
Gestresst finden wir nach einigem Herumsuchen tolle Bungalows direkt am Strand, die unser Heim fuer vier Naechte werden.

"Coco Huts" direkt am Meer

Mal wieder ein Bild des hervorragenden Essens

Benaulim Beach bei Sonnenuntergang

Am nächsten Tag mieten wir uns Roller, quälen uns durch den Stadtverkehr, aber entdecken auch ruhige und schöne Gebiete Goas. Der Fahrtwind ist ausserdem eine gelungene Erfrischung bei über 35 Grad draußen.

Wir besuchen eine Gewürzfarm, wo Sarah, Steven und Martina die Möglichkeit einer Elefantendusche wahrnehmen. Sicher nicht so toll fuer die Tiere, aber besser als angekettet in der Sonne herumzustehen (wie bereits woanders gesehen).

Sarah und Martina bei der Elefantendusche

Der Fuehrer durch die Gewuerzfarm zeigt uns, wie die Betelnuss-Bäume sehr nah nebeneinander angepflanzt werden. Zum Ernten wird nur ein Mal hochgeklettert und dann in 10m Höhe von einem Baum zum nächsten geschwungen. Nach der Demonstration musste ich direkt versuchen das nachzuahmen und das klappte auch eigentlich ganz gut. Nur bis ganz oben wollte ich wegen einer riesigen Touristenzuschauerschar doch nicht.

Ansonsten ist die Führung durch die Demo-Farm (die echte ist wahrscheinlich irgendwo komplett anders…) relativ unspektakulär.

So fahren wir nur noch etwas durch Goa (ich hier als italienischer Pizzafahrer verkleidet)...

... und Sarah macht Fotos von schoenen Villen, deren es hier sehr viele gibt

Namasté,
Valentin

3 Kommentare, Geschrieben am 10. März 2010, Indien, Indien 2010

Nach unserem Entspannungstag in Udaipur entschliessen wir uns zu einem Tagesausflug, etwa 80km entfernt. Ein Fahrer bringt uns als erstes zu einem im Hochland gelegenen Fort. Leider kann er unsere Anweisungen, dass wir gerne, wie vorher mit dem Organisator vereinbart, ein wenig wandern würden, nicht verstehen. Er spricht kein Englisch.

Traditionelle Methode, um Wasser aus einem Brunnen zu befördern

Ausblick vom Fort

Nach dem Besuch dieser Sehenswürdigkeit fährt uns der redefaule Fahrer zum nächsten Tempel, 20km und eine Stunde entfernt. Zwischendrin liefert er uns in einem Touristenrestaurant ab. Wieder auf der Suche nach Provision. Das Essen (Buffet) kostet vier mal mehr als sonst üblich, und 20 mal mehr als an der Garküche an der Straße. Nachdem wir uns verständlich machen, dass uns das zu teuer ist, halbiert der Restaurantbesitzer den Preis. Trotzdem noch unverschämt. Und die anderen Gäste im Restaurant ärgern sich, dass sie selbst eine Unsumme zahlen. Handeln im Restaurant geht also auch, gut zu wissen.

Menstruierende Frauen dürfen leider nicht rein!

Nach unserer Rückkehr bereiten wir uns auf einen 16-stündigen Übernachtzug von Udaipur nach Mumbai vor. Mit Schlafbetten im Sechserabteil auf engstem Raum ist das eine Herausforderung. Mir gefällt das aber ganz gut. Man legt wortwörtlich im Schlaf größere Entfernungen zurück. Die Klos im Zug sind allerdings an Verwahrlosung kaum zu überbieten. Ich muss beim Betreten aufpassen, dass der zentimeterhohe Fäkalspiegel am Boden der Zugtoilette nicht die Oberseite meiner Flip-Flops erreicht. Aber ansonsten geht’s…

Ich hätte gerne eine Gesamtaufnahme des Abteils gezeigt, aber es ist so klein, dass einfach nicht mehr drauf passt

Die Ankunft in Mumbai verzögert sich noch weiter und nach schier endlosem Rumsuchen finden wir ein völlig überteuertes Guesthouse, wo wir uns zu viert ein Zimmer nehmen. “Mit Meerblick, hier raus gucken und dann gleich um die Ecke”. Die Klimaanlage ist so laut wie ein Presslufthammer. Mumbai ist heiß, sehr heiß.

Die Stadt ist komplett gegensätzlich zu allem anderen, was wir bisher in Indien erlebt haben. Fast schon westlich. Keine Kühe mehr auf der Straße, asphaltierte Wege, keine Rikkschas, sondern nur noch Taxen, allesamt mit Gas fahrend. Die Menschen sind gut gekleidet und sogar gehupt wird ein bisschen weniger.

Am nächsten Tag bin ich mit Sarah alleine unterwegs, Steven ist das Essen der letzten Tage nicht bekommen und Martina leistet ihm Beistand.

Schleifmaschine, rein mit Muskelkraft betrieben

Wer sich mal wiegen will, kann das gegen einen kleinen Obulus hier auf der Straße tun

Gaylord. Wer jetzt?

Strand von Mumbai. Baden gehen tut hier allerdings keiner, denn durch Opfergaben in Form von Blumen der Einheimischen ist das Wasser äußerst verdreckt. Aber immerhin kein Plastikmüll. In Mumbai wird mit allen Mitteln versucht die Müllverschmutzung einzudämmen. Mit mäßigem Erfolg, aber dennoch besser als in allen anderen Städten, die wir bisher in Indien gesehen haben.

Obststände an jeder Ecke versüßen uns den Tag

Ruhestädte eines muslimischen Heiligen. Er wollte weder auf dem Land, noch im Meer beerdigt werden. Daher fand man diesen Mittelweg und errichtete die Moschee Haji Ali Dargah.

Ich bin zu dem Entschluss gekommen keine Vorsichtsmaßnahmen dem Essen gegenüber mehr zu unternehmen. Mein Magen hat mich auf noch keinem Urlaub im Stich gelassen und so wage ich mich nun auch an die schlimmen Garküchen heran. 40ct, ein Packen Reis, acht Nanbrote, ein Spinateintopf, ein Linseneintopf und ein paar Zwiebeln, garniert mit herausragender Masala-Schärfe und einem guten Geschmack. Da kann man nicht meckern. Dem geneigten Leser kann ich zwei Tage später verraten, dass das Essen eine gute Wahl war.

Kurz darauf nehmen wir den Übernachtzug nach Goa.

Namasté,
Valentin

4 Kommentare, Geschrieben am 08. März 2010, Indien, Indien 2010

Der Übernachtbus bringt uns von Jaipur nach Udaipur. Obwohl dieser acht Stunden dauern soll, kommen wir bereits nach sechs Stunden an. Sehr ungewoehnlich in einem Land, wo selbst die Bestellung einer Wasserflasche im Restaurant einfach mal eine halbe Stunde dauern kann – manchmal jedoch auch komplett vergessen wird.
So kommen wir um vier Uhr morgens an, aber dank dem hervorrangenden Service des Nukkat Guesthouse koennen wir den Rest der Nacht kostenfrei auf der Dachterasse unter dem Sternenhimmel verbringen. Ab sechs Uhr morgens beginnt das Hupkonzert auf den Strassen und ab acht Uhr fangen die anderen Besucher an neben uns zu frühstücken. Das stört uns recht wenig und so schlafen wir noch ein wenig weiter.
Ein älteres italienisches Ehepaar macht Fotos von uns mit unseren Restholifarben im Gesicht, zerzaust schlafend in einer Ecke auf der Dachterasse. Sarah uebersetzt ihr Gespräch untereinander mit: “Ich würde auch gerne arbeitslos sein und so ein Leben führen”.

Alte Männer im Tempel

Schmuckverkäuferin mit Kind vor dem wenig Wasser führenden Lake Pichola

Wir erkunden per pedes den ganzen Tag Udaipur und erklimmen einen Berg, der auch als hervorragende Aussichtsplattform über die Seen und das Stadtpanorama fungiert. Wir werden komisch dabei angeschaut, denn die dekadenten Touristen (deren es in dieser Stadt zum ersten Mal etwas mehr gibt) nehmen wohl üblicherweise eher die eigens installierte Seilbahn, um sich bequem vom klimatisierten Reisebus auf den Berg schaffen zu lassen.

Blick auf den Lake Pichola

Nach einer Kingfisher-Starkbier-Nacht aus 0.6l-Flaschen brauchen wir heute eine kleine Ruhepause und verbringen den Tag mit essen, shoppen und der Planung der weiteren Reiseroute.

Namasté,
Valentin

1 Kommentar, Geschrieben am 03. März 2010, Indien, Indien 2010

Farben für Holi

Holi ist ein indisches Volksfest, das Ende Februar für mehrere Tage gefeiert wird. Es scheint als wären alle üblichen Trennlinien durch Kasten, Alter oder Geschlecht an diesen Tagen aufgehoben. Die bunte Farbe gehört unmittelbar zu den Festlichkeiten – und mit ihr wird wirklich nicht gegeizt.
Durch den heutigen Feiertag sind interessante Dinge wie der City Palace allerdings geschlossen. Daher machen wir uns schon am Abend mit einer Übernacht-Busfahrt auf den Weg nach Udaipur.

Sogar der Elefant feiert Holi, allerdings leider mit drei Fuessen angekettet...

Wir vor dem Water Palace in Jaipur. Auf mir ist durch mehrere Ausweichmanoever ein bisschen weniger Farbe gelandet. Der ausnahmsweise mal nette und zuvorkommende Rikkschafahrer bediente allerdings zum ersten Mal in seinem Leben eine Digitalkamera. Daher ist der Horizont leicht schief geraten.

Happy Holi to all of you!
Valentin

2 Kommentare, Geschrieben am 02. März 2010, Indien, Indien 2010

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