Wir sind heute über den Grenzübergang Diama nach Senegal eingereist. Es gibt zwei Möglichkeiten, wir haben den komplizierteren gewählt (65 km Piste), sind dafür aber mit einer wunderbaren Fahrt durch den Nationalpark belohnt worden.

Dirty Harry

Auf der Piste sind wir gleich am Anfang erstmal schön eingesandet. Da unser Harry ein wenig tiefer gelegt ist, lag er mit dem kompletten Unterboden auf dem Sand auf. Das kostete uns eine halbe Stunde buddeln. Mit ein bisschen Anschieben von ein paar Einheimischen ging es dann weiter.

Camel crossing
Die Fahrt auf der Piste war klasse, zwar teilweise sehr ruppig mit schweren Passagen und wir sind auch öfters aufgesetzt, aber doch gut durchgekommen. Es war sogar fast eine kleine Safri, keine Menschen weit und breit und wir haben viele Tiere gesehen. Auf dem Weg haben wir einen Anhalter aufgesammelt, bei dem sich herausstellte, dass er Nationalparkmitarbeiter auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle ist. Er läuft täglich einen Weg von 10km zum Nationalpark, hofft aber immer auf Autos, die ihn mitnehmen.

Nachdem wir die Einreise in den Senegal endlich geschafft haben, wurden wir von einer komplett anderen Lebenskultur überrascht. Es ist hier grün und voller Vegetation, da wir die Sahelzone nun verlassen haben. Die Menschen sind noch netter und aufgeschlossener als in Mauretanien und es herrscht ein angenehmes Treiben auf den Straßen.
Momentan sind wir in St. Louis im Senegal, die nächsten Tage werden ruhig werden, bis wir dann nach Gambia weiter fahren (nur noch etwa 300km) um das Auto zu verkaufen.
Das Bier ist sehr günstig (1,20 Euro für 600ml), das Essen gut und die Leute nett. So muss es sein. Mit Trommelmusik auf den Straßen und angenehmer Hitze sind das gute Voraussetzungen für ein paar schöne Tage.
Seit wir in Afrika unterwegs sind, treffen wir dauernd auf Polizeikontrollen. Ab und an halten sie einen an, manchmal immer und in manchen Gebieten gar nicht. Wir haben unsere Begegnungen aufgeschrieben, um nichts zu vergessen.
Marokko: Pässe eingezogen und angeschaut, nach 20 Minuten steigen wir aus und ich frage nach, ob es ein Problem gibt. “Nein kein Problem, sind auch gerade fertig geworden”. Und weiter.
Westsahara:
- Wir wurden gefragt ob wir Bier haben. Leider nicht. Wir haben eine Flasche Wasser abgegeben
- Ein Polizist hat sich zwei Kekse von uns geklaut. Nach einer halben Stunde kommt ein anderer Traveller aus dem Häuschen und bringt unsere Pässe gleich mit.
Mauretanien (sehr häufige Kontrollen):
- An der Grenze eine Flasche Wasser und Orange abgegeben. Mit einem Polizist Volleyball gespielt (der wollte erst unseren Ball haben)
- Nach einer Passkopie gefragt, die Jungs waren zu faul die Sachen abzuschreiben. Haben dann angefangen damit… Nach fünf Minuten geben wir ihnen drei Orangen und dürfen weiter fahren.
- Der Polizist will gerne ein Schmerzmittel. Wir geben ihm sowas, aber er hätte gerne etwas “um sich gut zu fühlen”. Macht aber nichts. Und weiter.
- Wir geben eine Prinzenrolle ab. Sie hätten gerne zwei, aber mehr bekommen sie nicht.
- Wir werden angehalten. Einmal kurz Hand schütteln und wir können weiter.
Auch sehr gut der Dialog in Marokko mit einem Polizisten in der Kontrolle:
Polizist: “Was sind Sie von Beruf?”
Ingo: “Angestellter”
Polizist: “Ich auch.”
Und wir dürfen weiter fahren
.
Heute sind wir in den Senegal eingereist. Das hat über zwei Stunden gedauert und wir mussten bei jeder einzelnen Stelle diskutieren und schmieren. Auto-Ausreise Mauretanien, Ausreise Mauretanien, Einreise Senegal, Auto-Einreise Senegal, Auto-Versicherung Senegal. Achso, die Brücke zwischen den Grenzstationen musste man auch bezahlen.
Wir haben viel diskutiert, teilweise war es auch ganz lustig. Mit meinem Studentenausweis konnten wir ein paar Rabatte rausholen. Arme Studenten, kein Geld und so! Insgesamt aber eine recht teure Grenzüberquerung
.
Wir haben jetzt ein paar Tage nichts geschrieben, weil in der Westsahara nicht so die Internetmöglichkeiten da waren
. Jetzt aber wieder.
Erstmal waren wir auf dem Weg nach Laayoune in der Westsahara, wo wir in der Wüste campen wollten. Zufällig haben wir im Netz aber die GPS-Koordinaten eines belgischen Ehepaars entdeckt, die in der Wüste ein paar Services anbieten. Dort sind wir kurzerhand hingefahren (über eine lustige Steinpiste) und haben dort die Nacht verbracht.


Diese Hauptstraße wurde von einem Fluss überschwemmt. Die Menschen auf den beiden Seiten warten auf Autos, die sie mit rüber nehmen.

Ingo beim Zeltaufbau in der Westsahara

In dieser Jurte kamen wir in den Genuss von Kamelfleisch mit Datteln

Kamele am Straßenrand
Wir sind an diesem Tag bis zur Grenze Marokko/Mauretanien gekommen. Es war aber schon zu spät und so haben wir im Auto genächtigt und uns schon nachts in die Warteschlange eingereiht.
Auf dem Weg sind wir mit ein paar Schweizern in der Kolonne gefahren. Die haben sich zwei Jeeps und einen Porsche Cayenne gekauft, die sie in vier Tagen von Bern nach Dakar prügeln wollen. Nunja ![]()
Hier wurden wir auch mal wieder geblitzt. Also ich. Wieder 40 Euro. Irgendwo in der Wüstenstraße taucht ein 60 km/h Schild auf, 1km weiter in einem 5-Häuser-Dorf verstecken sich drei Polizisten und halten mit der Radarpistole drauf. Argh! Diesmal 8 km/h zu schnell am Ende der Welt, wo einem in einer Stunde höchstens drei Autos entgegen kommen.
Wenigstens der Diesel ist günstig. Schonmal für 40ct den Liter getankt?
Am nächsten Tag an der Grenze:
Die Ausreise mit Auto, Kontrollen usw. hat zwei Stunden gedauert, dann ging es 5km durchs “Niemandsland” (ausgereist aus Marokko, aber noch nicht drin in Mauretanien), das ist eine Stein-/Sandpiste, wo man streng auf den schwer zu erkennenden Wegen bleiben sollte, denn drumherum ist alles vermint. Ab und an fliegt da auch mal ein Auto in die Luft.
Wir haben es geschafft
.

Niemandsland zwischen Marokko und Mauretanien

Harry hat Durst in der Sahara
Gestern Nachmittag sind wir in Nouakchott angekommen, der Hauptstadt Mauretaniens. Das ist wohl die hässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Wirklich nicht schön. Wir haben in einem Hostel übernachtet, wo sich auch viele andere europäische Overlander einquartiert haben.
Gleich fahren wir weiter in Richtung Senegal und hoffen, dass es dort keine Probleme gibt. Laut einigen Aussagen darf man nur Autos neuer als 5 Jahre einführen. Auch muss man immer Feuerlöscher, zwei (!) Warndreiecke etc. dabei haben. Bei uns ist das natürlich alles nicht der Fall. Wir werden sehen.
Unser Vorrat an Orangen und Keksen zur Korruptionsförderung wird immer kleiner, an jeder Ecke steht ein Polizist, der gerne etwas haben möchte.

Fischer am "Strand" von Nouakchott
Wenn wir nach Senegal gut reinkommen und ein Quartier für die nächsten Tage finden, gibt es sicher heute oder morgen noch einen Artikel. Wir haben nämlich den größten Teil der Strecke geschafft (~5300 km) und können uns jetzt eigentlich entspannen und mal richtigen Urlaub machen.
Viele Grüße,
Valentin und Ingo