Zwei Halbwüchsige breiten mit ihren dreckigen Händen eine quadratmetergroße Teigmasse in einem dunkeln Hinterraum des Lokals aus. Der Teig liegt auf einem gemauerten Steintisch, der von Öl und Dreck überzogen mittlerweile eher schwarz als weiß ist. In gleichmäßigen Intervallen zieht der Kürzere der Beiden mit gekonnter Technik lange Teigstücke aus der Fläche, die aussehen wie Spaghetti. Er rennt mit beiden Armen und den Nudeln vor sich ins Freie, wo er sie in einen riesigen Kessel mit brodelndem Wasser einrührt.
Zu gleicher Zeit hebt der Chef des Hauses eine rostige Axt in die Höhe, mit der er voller Freude, das kann man an seinem Gesicht ablesen, einzelne Stücke von der Hammelhälfte abschneidet, die seit Stunden in der Sonne im Freien herumbaumelt. Das tote Tier ist von Fliegen übersäat und gleichzeitig ertönt ein lautes Knacken, denn die Axt zerteilt mühelos einen Knochen als er voller Wucht auf den Holzblock haut. Das Fleisch-Fettgemisch wandert sogleich in einen Wok, in dem schon längst heißes Öl brutzelt.
Dreißig Augen starren mich ungläubig an als wäre ich nicht von dieser Welt. Das bärtige Bleichgesicht hat doch tatsächlich nun schon die dritte Portion „La mian“ geordert. Man ist sichtlich gut gelaunt und klatscht in die Hände als auch diese Mahlzeit in unsere Mägen wandert. Die frischen Nudeln, das lecker und scharf gewürzte Gemüse mit ein wenig Hammelfleisch ist eine Spezialität der Uiguren in Westchina und wir essen sie genüsslich mehrere Male am Tag.

"La mian", Gemüse mit handgezogenen Nudeln
Kontinuierlich drehen sich die Beine im Kreis und das Fahrrad schiebt sich auf dem guten chinesischen Asphalt vorwärts. Seit hunderten Kilometern fahren wir durch die Hitze. Links von uns beginnen die Berge. Manchmal sieht man unterschiedliche Steinschichten in den unterschiedlichsten Farben übereinander aufgeschichtet. Rechts von uns ist die Taklamakan-Wüste. Viele hundert Kilometer dehnt sich die zweitgrößte Sandwüste der Erde nach Osten aus und wir bewegen uns genau zwischen diesen beiden Welten. Das einzige, spärliche, abwechslungsreiche Highlight für das Auge sind die Güterzüge, die auf der Bahnlinie neben uns zwei, drei Mal am Tag die Wüste durchqueren.
Abschnitte von hundert Kilometern ohne einen Baum, einen Strauch, irgendetwas, das Schatten wirft oder sogar eine Siedlung zu sehen, sind keine Seltenheit. Tagelang bläst der Wind heftig in unsere Gesichter. Wir müssen uns motivieren zu fahren. Die Landschaft ist so eintönig und unabwechslungsreich, dass nur noch die Gedanken im Kopf bleiben.
Manchmal erreiche ich einen Zustand, der an Meditation erinnert. Die Beine bewegen sich von alleine und es fühlt sich an als wären Körper und Geist entkoppelt. Die Gedanken driften ab und Erinnerungen, die sich ganz tief hinten im Kopf vergraben haben, kommen wieder hervor. Wunderbare Erlebnisse, die fast schon in Vergessenheit geraten wären. Und dann wacht man wieder auf: „Ah, ich sitze auf dem Fahrrad und fahre durch die Wüste. Okay.“

Unser Ausblick für hunderte Kilometer


Lange Zeit fahren wir auf einer vierspurigen Schnellstraße, die noch im Bau befindlich und daher für Kraftfahrzeuge noch nicht geöffnet ist. Auf perfektem Asphalt werden wir von den Arbeitern nett gegrüßt und durch die Absperrungen gewunken.
Nach einigen intensiven Fahrtagen, deren Ablauf immer dem selben Schema folgt, finden wir abends eine kleine Oase in der Wüste. An einem Fluss entlang gibt es Vegetation, das Grün ist ein Lichtblick bei all dem trostlosen, staubigen Ausblick in die endlose Wüste. Auf einem kleinen Rasenstück machen wir es uns gemütlich und entdecken die orange leuchtenden Früchte der Schatten spendenden Bäume. Saftige, süße Aprikosen hängen von ihnen herunter und wir essen so viel von ihnen bis die Mägen schmerzen.
Selbst das von Sand und Erde ziemlich dreckige Wasser des Flusses ist noch sauberer als unsere Haut. Ein Bad im reißenden Strom, der von mannshohem Schilf eingefasst wird, ist erfrischend und belebend wie kaum etwas anderes. Selbst in den wenigen Orten, die wir in der letzten Zeit passiert haben, gibt es kein fließendes Wasser und die spärlichen Reserven, die die Menschen sich sammeln, reichen nur knapp zum Händewaschen aus.


Wir zelten auf der Farm einer kleinen ugurischen Familie. Sie bewirtschaften vier Hektar Land und sind zurückhaltend, aber sehr freundlich und interessiert

Ein exemplarischer Eindruck der Dörfer, die wir durchfahren

Die Chinesen kopieren alles, sogar die Front deutscher Autos
Meine Reise ist nun fast beendet und die Zielgerade erreicht. Nach über 10.000 Kilometern in knapp drei Monaten fliege ich von Urumqi zurück in die Heimat. Während Meter um Meter an meinem Auge vorbeirasen, denke an die vergangenen Erlebnisse zurück und gehe im Geist die Etappen unserer Tour durch: der Tag des Abschieds von Freunden und Familie, die ersten zähen Kilometer, wo mir der bevorstehende Berg an Anstrengung Kopfzerbrechen bereitete. Ich erinnere mich daran, wie wir langsam schafften uns mit dem Projekt zu identifizieren und nach ein, zwei Wochen mit Herz und Seele dabei waren. Wir fuhren durch Täler und über Berge, die uns alles abverlangten. Ich muss mich anstrengen alle diese Eindrücke abzuspeichern, denn es kommt einem vor als lägen sie bereits Jahre zurück.
In all diesen Wochen habe ich viel gelernt. Viel über Menschen und ihr Leben, über Essensgewohnheiten, Gastfreundschaft und politische Unterdrückung. Über Wünsche und Sehnsüchte von unseren Begegnungen und manchmal auch Verzweiflung ob ihres Daseins.
Aber ich habe auch mich selbst besser kennen gelernt. Es ist interessant die körperlichen und geistigen Grenzen zu er“fahren“. Wir versuchten die unterschiedlichsten Anforderungen mit Hagel in Deutschland, Schnee in Bulgarien, schlechten Straßen und Gewitter in der Türkei, Wüste im Iran, dem 3600m hohen Pass, unendlich langen Steigungen und Nachtfrost in Kirgistan oder der endlosen Dürre in China irgendwie durchzustehen und ständig aus einer unendlichen Quelle Motivation zu schöpfen. Ich bin mir sicher, dass diese Erfahrungen von unschätzbar großem Wert sind und ich bin glücklich, dass alles ohne große Probleme abgelaufen ist.
Auch ist mir klar geworden, dass sich jedes noch so große Ziel erreichen lässt, wenn man es in kleine Teiletappen einteilt. Wenn man nur einen überschaubaren Bereich vor sich hat und dann langsam zum nächsten übergeht. Irgendwann hat man das große Ganze erreicht und vielleicht ist es dann so unvorstellbar groß, dass man es kaum glauben kann.
Nicht zuletzt habe ich in Thomas einen guten Freund gefunden und wünsche ihm alle Kraft der Welt für die weiteren vier Wochen nach Hong Kong, wo dann auch seine Reise endet.

Zwischen Kuqa und Korla in China haben wir die 10.000-Kilometer-Marke erreicht
Wasser prasselt auf das Zeltdach hinab. Ich liege im durchgewärmten Schlafsack und schaue auf die Uhr: Aufstehenszeit. Ich öffne die Reißverschlüsse und riskiere einen Blick nach draußen. Der Himmel ist dunkelbraun, fast schwarz, auf der Straße staut sich das Wasser und es regnet weiterhin in Strömen. Wir befinden uns in einem Tal, das von einer kirgisischen Passstraße durchschnitten wird, in dem sich neben reißendem Fluss und Straße nur schwerlich ein ebener Platz für die Zelte finden lässt. Mein Blick wandert talaufwärts und auch dort sieht man nur Nebelschleier und im Vordergrund Grashalme, an deren Spitzen sich Wassertropfen sammeln. Selbst dem Grashüpfer ist es zu ekelhaft, daher gesellt er sich lieber zu mir ins Trockene.
Ich drehe mich noch einmal um und wache erst zwei Stunden später wieder auf. Wir nutzen eine kurze Regenpause, um die Zelte einzupacken und die Fahrräder für den Tag fertig zu machen. Meine Stimmung ist etwas getrübt, denn eigentlich liegt heute ein Highlight vor uns. Der 3615m hohe Taldyk-Pass ist der höchste Punkt unserer Reise und soll eine wunderschöne Aussicht bieten. Mit Regen und unasphaltiert-schlammiger Straße und die Aussicht störender Nebelsuppe ist das natürlich nur halb so schön. Nichtsdestotrotz beginnen wir den Anstieg, der sich insgesamt über fast 100 Kilometer hinzieht.


Bereits am Vortag starteten wir von Osh in die Berge. Wir sahen traumhafte Landschaften, grüne Felder, Nomaden, Jurten und umherwandernde Esel, Pferde, Schaf- und Kuhherden. Die Kirgisen unterscheiden sich optisch sehr von den Menschen unserer zuletzt besuchten Länder. Ich finde sie sind zentralasiatisch mit einem chineischen Touch. Und sehr anmutig sehen sie aus, wenn sie als Nomaden auf ihrem großen Pferd sitzend über die Felder stolzieren.


Wir entscheiden uns noch einen Tag am Fuße des Passes zu warten, in der Hoffnung auf besseres Wetter am kommenden Morgen. Die Entscheidung war richtig, morgens ist keine Wolke am Himmel und so kriechen wir die Passstraße, die nur aus einem geschotterten Weg besteht, langsam hinauf. Chinesische Arbeiter und schwere Maschinerie sind hier anzufinden, da man versucht die Handelsrouten nach Westen auszubauen. Die Kirgisen freuen sich über das Engagement, denn so kommen sie zu einer besseren Infrastuktur.
Den ganzen Tag bewegen wir uns auf über 3000m Höhe und fahren durch ziemlich einsame Landschaften. Um uns herum sind noch viel höhere Berge, die Kuppen sind schneebedeckt und ich fühle mich ziemlich klein und nichtig bei dieser Gewaltigkeit der Natur. Nur ab und an gibt es ein paar Nomadenjurten, erstaunlich oft steht daneben ein Audi oder Mercedes. Das ist also der moderne Nomade. Kochen mit Holz, Wasser aus dem Gebirgsbach, keinen Stromanschluss und immer den Launen der Natur ausgesetzt. Aber ein solides deutsches Auto kann man dann doch fahren. Vielleicht zum Friseur in die 200 Kilometer entfernte Stadt, um die neuesten Rezepte für vergorene Stutenmilchbällchen auszutauschen?


Wir fahren ein paar Tage zusammen mit Jonathan, einem belgischen Radfahrer in meinem Alter. Er ist seit neun Monaten unterwegs und hat nur kurz bevor die Aufstände in den nordafrikanischen Ländern begannen, eben diese durchquert. Zu dritt passieren wir die chinesische Grenze und wir sind alle ein wenig gerührt. Wir haben das letzte Land unserer Reise erreicht. Es gibt keine weiteren Grenzübertritte und wir sind erfreut, dass unser Vorhaben doch erfolgreich war. Noch immer sind wir auf enormer Höhe unterwegs und kurioserweise stellt die Grenze zwischen Kirgistan und China auch eine Veränderung von Landschaft und Temperatur da. Rotbraunes Gestein in steppenähnlicher Umgebung dominiert nun das Bild. Im weit entfernten Hintergrund kann man ab und an einen Blick auf schneebedeckte Berge erhaschen und auch warm ist es endlich wieder.
Wir sind abgesehen von einer Hand voll Lastwagen die einzigen Benutzer der Straße, die über zweihundert Kilometer durch nicht viel anderes als einsame Natur führt.

Kurzes Frühstück am Straßenrand beim Irkeshtam-Pass

Ein ziemlich schäbiger Grenzposten für so ein großes Land



Reifenpannen (die fünfte bisher) passieren natürlich immer dann, wenn man ohnehin schon von vielen Leuten umringt wird
Schließlich erreichen wir Kashgar an einem Kreuzungspunkt der alten Seidenstraße. Nach Tagen in Einsamkeit und fast unberührter Natur bin ich vom Leben in den Straßen, den wuselnden Chinesen und der vorhandenen Infrastruktur ein wenig überwältigt.
Wir erreichen Samarkand, eine weitere bedeutende Stadt entlang der Seidenstraße. Das Aushängeschild der Stadt ist das Registan, der antike Hauptplatz. Mir gefällt der Baustil der alten Gebäude, die mit Ziegelsteinen gemauert und mit blauer Farbe verziert sind. Hier findet man echte Geschichte und sieht jahrhundertealte Handwerkskunst im Vergleich zu Moscheen in den vorherigen Ländern, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie sehen zwar auch nett aus, aber ihre Substanz ist ein neumodischer Betonklotz mit goldener Farbe auf der Kuppe.

Registan in Samarkand

Zwei Franzosen sind mit einem alten Citroen 2 CV auf dem Weg nach Zentralasien. Danach geht es über Russland wieder in die Heimat.

Mein Schwager nimmt die lange Reise aus Deutschland auf sich und bringt uns, nicht ohne selbst ziemlich viel Spaß an dem Kurztrip zu haben, ein paar Ersatzteile vorbei. Wir verbringen einen Tag in Samarkand, essen reichlich und landen sogar in einem usbekischen Badehaus. Das Hammam ist spärlich besucht, aber eine solch traditionelle und gründliche Wäsche ist bei mir offensichtlich dringend nötig. Nach zwei Runden, die aus saunieren, duschen, einseifen, waschen, duschen und schwimmen bestehen, fühle ich mich wie neugeboren.
Das Badehaus ist im Keller eines Gebäudes und durch verstaubte Fenster in der Kuppel eines jeden Raumes fällt nur spärliches Licht. Hier und da brennt eine schummerige Glühbirne, die mit surrendem Geräusch alle paar Sekunden ihre Helligkeit verändert. Die einzelnen Räume sind durch schmale Gänge verbunden, in denen man geduckt gehen muss, um sich nicht den Kopf zu stoßen. Im Sauna-Bereich fällt das Atmen schwer und der Steinboden ist glühend heiß. Nach Sekunden rinnt mir der Schweiß herunter, aber das ist okay, wenn man weiß, dass die nächste Abkühlung nicht weit entfernt ist.
Letztendlich ist die Haut ist wieder von Staub, Sand, Dreck und Sonnencreme befreit. Ein Wellness-Tag für Radreisende.

Als wir unseren Weg nach Kirgistan wieder aufnehmen, machen wir Mittagspause in einem Restaurant. Fast wollen wir schon wieder aufbrechen, da tritt jemand mit einer Herausforderung zum Billard an mich heran. Die nehme ich gerne an. Kurz darauf muss ich feststellen auf welch kuriose Weise hier gespielt wird. Die Kugeln sind wesentlich größer als üblich, die Taschen dafür aber kleiner. Möchte man eine Kugel einlochen, bleiben links und rechts von ihr höchstens zwei Millimeter Spielraum. Da man eine solche Präzision auf diesem Tisch nicht hinbekommt, da er ebenso schief und hügelig ist wie die usbekischen Straßen, versuchen die Einheimischen einfach mit möglichst viel Gewalt Glückstreffer zu landen. Der Queue wird nicht als Präzisionswerkzeug verwendet, sondern als Ritterschwert, mit dem man durch Schleudern versucht irgendetwas zu erreichen.
Kaum bin ich wieder zurück im Restaurant, werden wir ein weiteres Mal von unserem Aufbruch abgehalten. Eine Gruppe älterer Männer läd uns zum Bier ein. Wir gesellen uns dazu und einige Minuten später vergrößert sich die Truppe durch Neuankömmlinge. Es stellt sich heraus, dass hier Ausnahmslos Lehrer und Ärzte versammelt sind. Man hat wohl nicht viel Zeit und so befiehlt der Goldzahn-bestückte Anführer direkt, dass viel Salat, Brot, Dip, Fleisch sowie Vodka und Bier gebracht werden sollen. Das folgende Prozedere wiederholt sich nun mehrere Male. Ein Mann der Gruppe steht auf und hält einen Monolog, danach wird sich zugeprostet und man versucht möglichst schnell den Vodka zu leeren. Er wird in kleine Schälchen gefüllt und als Demonstration, das man wirklich den letzten Tropfen in sich geschüttet hat, haut man die Schale so schnell wie möglich umgekehrt auf den Tisch. Der beste Trinker wird gelobt und danach wird wieder aufgefüllt und nur wenige Minuten später beginnt das Spiel von vorne.
Nach kurzer Zeit sind die meisten schon am Lallen, wir haben anfangs geschummelt, da wir uns eine Vodka-Müslischale zu zweit teilten. Mein Sitznachbar schiebt mir freudig ein Stück Hammelfleisch auf den Teller. Allerdings ist kein Fleisch an dem langen Knochen zu erkennen. Einzig eine glibberig-weiße Fettmasse in der Größe einer Zigarettenpackung hängt lustlos herunter. „Ähh, danke!“
Eine Stunde später ist der Spuk vorbei. Die Versammlung löst sich auf, vielleicht müssen die Professoren wieder in die Uni oder die Ärzte zurück ins Krankenhaus?
Als wir auf die Fahrräder steigen, wird uns erst bewusst wieviel des russischen Vodkas, den man fast wie Wasser trinken kann, wir eigentlich so hatten.

Ähnliches wiederfährt uns einen Tag später. Drei Männer vom Nebentisch laden uns zu Plow und Vodka ein, diesmal findet aber nur eine überschaubare Anzahl von Vodkaschüsseln in unsere Mägen. Man versucht uns zu überzeugen, dass man das Reisgericht von der großen Platte auf der Mitte des Tisches traditionell mit den Fingern isst. Man drückt es zu einem Ballen zusammen und schiebt es sich dann irgendwie in den Mund. Thomas verbrennt sich die Finger bei dem Versuch und der Alte neben ihm versucht ihm wehement mit seiner eigenen Hand und dunkelbraunen Fingernägeln den Reis in den Mund zu stopfen. Thomas wehrt sich und ich amüsiere mich köstlich. Und bleibe beim Vodka.

1kg Plow in Bekabad
Als wir an einem Mittag in Bekabad, einer gar nicht so kleinen Stadt, ankommen, werden wir beim Besuch des Basars von Menschenmassen umringt. Ganz neu ist die Neugierde der Einheimischen nicht, aber diesmal waren es wirklich ziemlich viele. Sie sind nicht aufdringlich, aber durchaus neugierig und dreißig oder mehr Münder plappern ununterbrochen auf Usbekisch auf uns ein.
Die Stadt liegt an der tadjikischen Grenze und ist weit abseits der Hauptstraßen, die durch das Land führen. Offensichtlich hat man hier noch nie einen europäischen Touristen gesehen.

Wir bahnen uns den Weg aus dem Getümmel und sehen fast schon am Ortsausgang einen Kanal neben der Straße, in dem ein paar Menschen baden. In der Mittagshitze kommt uns das als Abkühlung gerade recht und so springen wir auch ins kühle Nass. Die Strömung ist enorm und ich schaffe es mit aller Kraft nicht stromaufwärts zu schwimmen. Daher laufen die Leute hundert Meter nach oben und springen dann auf allerlei Arten ins Wasser. Man lässt sich runter treiben und muss dann an geeigneten Stellen irgendwie den Weg aus dem schrägen Kanal finden.

Felder und Sonnenuntergang. Könnte fast in Deutschland sein, oder?

Wir campen nach einem harten Tag mit Ausblick auf Industrieidylle. Eine kilometerlange Grube, die von einem Staudamm begrenzt wird, fällt direkt neben unserem Zeltplatz steil ab. Abends ist noch wunderbarer Sonnenschein, aber als es dunkel wird, kommt Wind auf, der sich später zu einem Sturm wandelt. Der Wind peitscht seitlich gegen die Zeltwände und reißt es fast mit. Blitz und Donner kommen auch noch dazu und kurz darauf gewittert es wie aus Eimern. Wir sind irgendwo im Nirgendwo und es fühlt sich an als würde die Welt untergehen.
Ich setze mich aufrecht in das Zelt und halte mit aller Kraft die Stangen fest, aber bei einigen Böen reicht meine Kraft nicht aus und das Zelt neigt sich gefährlich schief in den Wind und droht abzuheben.
Nach Stunden ist alles vorbei und als ich nach der schlaflosen Nacht morgens aus dem Zelt steige, begrüßt mich die Sonne als wäre nie etwas geschehen.

Der Abend, da war alles noch in Ordnung
Wir überwinden einen 2200m hohen Pass, um in das Ferghanatal zu gelangen, das dichtbesiedelste Gebiet Zentralasiens. Durch das heiße Klima und viele Flüsse ist es enorm reich an Landwirtschaft und an den Straßen findet man noch mehr Aprikosen-, Melonen- und Gemüseverkäufer als überall sonst in Usbekistan.
Der Anstieg ist 15 Kilometer lang mit 12% Steigung. Wir machen uns zunutze, dass ein LKW langsam vor uns den Berg hochkriecht und halten uns kurzerhand an ihm fest. Der Beifahrer gibt uns Tücher heraus, damit die Finger nicht so schnell einschlafen. Zwischendurch treten wir etwas mit und erreichen nach gefühlten Ewigkeiten den Gipfel. Ab dort geht es vierzig Kilometer bergab und wir müssen kein einziges Mal in die Pedale treten. Thomas und ich sind uns einig, dass wir noch nie eine so rasante, lange und wunderschöne Abfahrt gefahren sind.


Restaurantbesitzer, die unbedingt ein Foto von sich gemacht haben wollen
Bukhara ist die erste große Stadt in Usbekistan, die wir erreichen. Offensichtlich ist Bukhara auch bei Europäern ein beliebtes Ziel, denn wir treffen zum ersten Mal auf unserer gesamten Tour auf Reisegruppen, die sich die wirklich schöne Altstadt ansehen. Schaut man hinter die Kulissen oder klopft mal an die massiv aussehenden Steinwände mancher Gebäude, merkt man, dass hier etwas hohl ist. Viel wird wohl nur als Fassade für die Touristenströme aufgezogen, obwohl man nicht von der Hand weisen kann, dass die Stadt eine lange Historie hat. Verlässt man die Altstadt nach Süden, hören die anmutigen Ziegelsteinbauten schlagartig auf und der eigentliche Baustil der Usbeken kommt zum Vorschein.


Im Umkreis von hundert Metern um den zentralen Platz Lyabi-khauz, der mit einem um 1620 angelegten Wasserbecken ausgestattet ist, gibt es dutzende Hotels. Wir treffen hier fast alle Leute wieder, die wir in den letzten zwei Wochen kennen gelernt haben. In der kompakten, aber wunderschönen Altstadt läuft man sich zwangsläufig über den Weg und wir tauschen aktuelle Erfahrungen aus.
Eine interessante Geschichte haben zwei Engländer zu berichten, die sich aus Zufall in Südkorea kennen gelernt haben. Sie wanderten dorthin aus und arbeiteten als Englischlehrer. Nach knapp einem Jahr kam die Idee auf mit dem Fahrrad wieder in die Heimat zu fahren und als genügend Geld gespart war, nahmen sie die Idee in Angriff. Als wir sie in Usbekistan treffen, haben sie China bereits komplett durchquert und geben uns ein paar nützliche und interessante Informationen.
Im Vergleich zu unserer Detailplanung sind sie allerdings relativ unorganisiert. Auf Landkarten verzichten sie vollkommen, was einmal dazu führte, dass sie in Kirgistan tagelang insgesamt 800 km in die falsche Richtung fuhren.
Alle anderen sind wie wir in die entgegengesetzte Richtung, nach Osten, unterwegs. Im Gegensatz zu uns haben sie alle ziemlich viel Zeit, meist mehrere Jahre, sind komplett ohne Zeitlimit unterwegs oder reisen nach dem Motto „solange das Geld reicht“. Ich liebe das Reisen, aber für eine solche Dauer wäre das für mich unvorstellbar. Auf lange Sicht nie zu wissen, wo man am Abend landet, immer wieder die selben Fragen „wo kommst du her?“, „wo gehst du hin?“ beantworten, die tägliche, ungewisse Suche nach einem Schlafplatz auf sich nehmen und dabei ständig sein komplettes Hab und Gut auf dem Fahrrad mitschleppen. Das alles macht mir durchaus Spaß, aber als kompletter Lebensinhalt wäre es mir zu wenig.


Wenn wir anhalten, um etwas zu trinken, etwas im Reiseführer nachzuschauen oder uns kurz zu beraten, werden wir meist innerhalb von kurzer Zeit von vielen neugierigen Leuten umringt. Wir geben zu verstehen, dass wir mit dem Fahrrad aus Deutschland kommen, aber leider weder Usbekisch, noch Russisch sprechen. Trotzdem brabbelt man weiter fröhlich auf uns ein. Eigentlich versuche ich dann immer mit Gestiken weiter zu machen, aber das hilft hier nicht mehr. Daher haben wir uns überlegt einfach auf unserer Sprache genau wie sie irgendetwas zu reden.
Eine typische Konversation:
Usbeke: „bla bla bla“ auf Usbekisch/Russisch
Ich: „Germanje“ („Deutschland“, das ist meist die richtige Antwort auf die erste Frage)
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „No Russki“
Usbeke: „bla bla bla“
Usbeke: „bla bla bla“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „Ja, es geht uns gut, wir sind auf dem Weg nach Samarkand und werden gleich unter den Bäumen da vorne unsere Melone aufschneiden, die schmecken nämlich ziemlich gut hier bei euch.“
Usbeke: „…“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „Ziemlich heiß, stimmt. Aber der Fahrtwind kühlt ganz gut. Wir stehen immer recht früh auf, morgens fährt es sich dann recht angenehm. Nach einer langen Mittagspause geht es dann weiter sobald es ein bisschen abgekühlt hat.“
Usbeke: „bla bla bla“
Ich: „bla bla bla“
Und irgendwie ist es dann doch ein Gespräch, das allen Spaß macht. Alle haben ein Grinsen auf dem Gesicht und die Verabschiedung ist herzlich. Es ist fast wie eine Unterhaltung mit manchen Personen auf Deutsch, die gar nicht zuhören, wenn mal der andere am Reden ist.

Peter beim Fahrrad putzen in den kleinen Gassen Bukharas

Ich will mir mal wieder die Haare kurz rasieren lassen und kurz darauf kommt ein Friseur mit einer Plastiktüte voller Utensilien in unser Hotel. Nachdem ich fertig bin, entschließt sich Thomas auch seine Mähne abschneiden zu lassen. Der Friseur ist noch nicht ganz fertig, da steht vorne noch ein langes Büschel Haare ab, der Rest ist schon kurzrasiert. Thomas entschließt sich das mal so beizubehalten. Warum auch nicht!
Usbekistan gefällt mir sehr gut und ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu Turkmenistan. Die Menschen sind nett und aufgeschlossen und es gibt Infrastruktur in Form von Läden am Straßenrand oder Hotels in Städten (ja, solche einfachen Dinge sind in manchen Ländern nur sehr spärlich gesät).
Wir probieren zum ersten Mal Plow, das Nationalgericht. Dabei handelt es sich um Reis mit Zwiebeln, Karotten und Hammelfleisch, das in riesigen Töpfen lange Zeit gegart wird. Hammel ist generell ein sehr fettes Fleisch, aber dass sich daumengroße Fettklumpen im Essen befinden, hätte ich nicht erwartet. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deswegen, ist Plow eine der besten Speisen, die wir seit vielen Tagen gegessen haben.
Bezahlen müssen wir mit einem Stapel von Geldscheinen, denn der größte verfügbare Schein ist nur etwa 40ct wert. Überall sieht man daher Leute unmengen an Geld durchzählen. Die Geldwechsler auf dem Schwarzmarkt sind sogar mit Sporttaschen voller Scheine unterwegs. Warum führt man da nicht einfach größere Geldscheine ein?

Plausch mit zwei Radreisenden aus den Niederlanden


Wir überqueren die Grenze nach Turkmenistan ohne größere Probleme. Normalerweise werde hier jedermanns Gepäck durchleuchtet, aber bei uns verzichtet man darauf: „We trust you“. Die Zollbeamtin fragt, ob wir Drogen oder Waffen dabei haben, denn die gäbe es ja im Iran zuhauf. Sie schüttelt abwertend den Kopf als wir sagen, dass wir fast drei Wochen in diesem Land waren.

Wildcamping in der turkmenischen Steppe
Das Land der großen Wüste ist ganz anders organisiert als das, woran wir uns im vergangenen Monat gewöhnten. Inmitten einer Stadt findet man schwerlich Geschäfte und wenn, dann sind sie manchmal nicht auszumachen, denn es ist einfach eine Tür, die aussieht wie der Zugang zu einem Wohnhaus. Auch Hotels haben meist keine Schilder draußen hängen, das heißt wir müssen uns durchfragen. Sehr schwer, denn ohne Russisch oder die Landessprache geht hier nicht viel.
Dieser Zustand wird uns in Mary, der letzten größeren Stadt bevor die Wüste richtig beginnt, zum Verhängnis. Wir verbringen zwei Stunden damit eine Unterkunft zu suchen, aber was wir finden ist entweder ein Luxushotel oder aber hoffnungslos überteuert. Es gibt generell zwei Preislisten: Eine für Einheimische in Turkmenischen Manat und eine für alle anderen in Dollar. Letzterer Preis ist mindestens doppelt so hoch.

Zum Geld tauschen in der Bank geht man immer seitlich um das jeweilige Gebäude und dort befindet sich ein gerade mal 20x10cm großes Loch in der Wand. Man sieht den Menschen im Inneren nicht und muss einfach sein Geld hineinschieben in der Hoffnung, dass dann irgendwann Manat zu einem vernünftigen Wechselkurs wieder herauskommen. In meinem Fall begleitet von wütendem Schnauben des Angestellten: Ich habe ihn von seinem Nickerchen aufgeweckt.
Wir beobachten, dass wir entweder unfreundlich-emotionslose Menschen treffen oder aber sehr nette, aufgeschlossene und gastfreundliche Turkmenen. Gerade wenn wir etwas frustriert wegen der Begegnungen sind, taucht jemand auf, der alles wieder gut macht.
So auch in Mary. Wie gesagt, wir finden kein passendes Hotel und fahren daher zum Wildcampen aus der Stadt hinaus. Das Industriegelände außerhalb der Stadt zieht sich allerdings einige Kilometer und es dämmert bereits. Daher fragen wir an einem offenen Tor, ob wir wohl hier übernachten können. Herzlich werden wir in den Garten gebeten, den sich offenbar mehrere Familien und Wohnhäuser teilen. Auf einem mit Teppich ausgekleideten Turm können wir unter freiem Himmel die Nacht verbringen. Kinder umringen uns und wir zeigen die Fotos der vergangenen Wochen. Sie versuchen uns die turkmenischen Wörter für Dinge auf den Bildern wie „Melone“ oder „Wüste“ beizubringen. Ein achtjähriger Junge bringt sein Englisch-Vokabelheft her, wo deutlich geschrieben Englisch, Lautschrift Englisch und Turkmenisch in drei Spalten nebeneinander stehen. Darunter sind Wörter wie „incentive“ oder „various“, ganz schön anspruchsvoll für das Alter!
Kurz bevor wir unter freiem, wolkenlosem Himmel mit Blick auf die Sterne einschlafen, macht mir noch ein Jugendlicher ein offensichtlich selbstgefertigtes Freundschaftsbändchen um das Handgelenk. Was ein schöner Abend.

Ein üppiges Mahl bei unseren edlen ...

... Gastgebern
In Turkmenistan gibt es wenige Touristen. Die Visabestimmungen für ein Touristenvisum sind sehr streng. Man muss einen Führer durch das Land von einer staatlich anerkannten Organisation buchen und bekommt noch weitere Auflagen. Das ist sehr kostspielig und wird selten genutzt.
Ansonsten gibt es noch das Transitvisum. Es ist lediglich fünf Tage gültig und wird im Prinzip nur genutzt, um das Land schnell durchqueren zu können. Das sind dann so Leute wie wir: Mit dem Fahrrad, Motorrad oder Bus unterwegs in Richtung Osten.
Man merkt den Menschen und Institutionen an, dass hier selten Europäer zu Gast sind. In Türkei und Iran sprechen wir auch nicht die Landessprachen, aber die Kommunikation mit Gestiken ist dort trotzdem erheblich einfacher. Meist las man uns die Wünsche von den Augen ab. Hier ist alles komplizierter, wahrlich kein einfaches Reiseland.
Am nächsten Tag dringen wir in die richtige Wüste ein. Fast zweihundert Kilometer sind es zwischen den Städten Mary und Türkmenabat, dazwischen gibt höchstens alle 50 Kilometer mal ein Restaurant. Wir decken uns mit reichlich Wasser ein und machen uns sehr früh auf den Weg, um die Mittagshitze irgendwo im Schatten zu verbringen.
Wir kommen gut voran, aber nach der langen Mittagspause hat der Wind gedreht und kommt direkt von vorne. Zum Glück überholt uns ein Schwertransporter, der genau die richtige Geschwindigkeit hat und wir hängen uns in den Windschatten.
Eine halbe Stunde später sieht man, dass der Himmel vor uns nicht mehr blau ist, sondern beige, fast braun gefärbt ist. Das sieht ganz nach einem Sandsturm aus. Von einem Moment auf den anderen durchfahren wir die Grenze zwischen Sonne und Sand. Von allen Richtungen wirbelt Sand herum, über die Straße und direkt in unsere Gesichter und in alles, was nicht komplett verschlossen ist. Innerhalb von wenigen Minuten überzieht meinen schweißüberströmten Arm, auf dem sich schon lange die Sonnencreme verflüssigt hat, in Zusammenspiel mit der Sandstrahlung der Wüste eine braune, klebrige Masse. Zum Glück haben wir den Transporter vor uns, der Sand und Wind wenigstens ein bisschen abhält.
Dann passiert, was aufgrund der Tragik fast schon filmreif ist. Mein Flaschenhalter bricht nach zwei Monaten auf dem Fahrrad, weil ich ein tiefes Schlagloch auf der sandigen Straße übersehe, und die Trinkflasche kullert auf den Boden. Ich schreie noch „nein!“ durch den Wind, aber Thomas hält an, um sie aufzuheben. Nur einige hundert Meter hinter dem Transporter ist es unmöglich ihn einzuholen. Er fährt 35 km/h, aber der Wind ist so stark, dass wir mit hoher Anstreungung nur auf 20 km/h kommen. Unsere Rettung vor dem Sandsturm fährt von dannen.
Ein Lastwagenfahrer am Straßenrand erklärt, dass man nicht sagen könne wie lange der Sturm andauert. Aber er vermutet noch eine ganze Weile.
Wir sind komplett versandet und verschwitzt. Campen in der Wüste scheint bei diesem Wetter schwer möglich. Als der Fahrer uns dann anbietet die Fahrräder auf seine Ladefläche zu packen, nehmen wir das Angebot an. Während der Fahrt plärren Gassenhauer von Modern Talking und Tarkan aus den kratzigen Lautsprechern. In der gemütlichen Fahrerkabine erreichen wir, mit einer Geschwindigkeit, die nur wenig schneller ist als unsere mit dem Fahrrad, zweieinhalb Stunden später den Stadtrand von Türkmenabat. Es ist zu dunkel, um noch in die Stadt zu fahren, daher wird uns erlaubt die Zelte auf dem Fußballplatz hinter einer Schule aufzustellen. Im Dunkeln kommt ein Polizist mit Taschenlampe vorbei und erklärt uns, dass man hier nicht campen darf.
„Wir haben gefragt und man erlaubte uns hier zu übernachten.“
„Achso, okay!“
Na wenn sich Probleme nur immer so einfach lösen ließen.

Kurze Pause am Wegesrand. Der Windschatten in Form des gelben Schwertransporters naht heran.
Wir haben viel geschafft in den letzten Tagen und wollen einen Ruhetag in Türkmenabat einlegen. Das selbe Spiel wie zuvor in Mary. Zwar sind wir bereits um 8 Uhr morgens in der Stadt, aber erst gegen Mittag haben wir eine akzeptable Unterkunft gefunden. Zuvor eskortieren uns mehrere Autos zu verschiedenen Plätzen, auf Nachfrage bei Passanten deutet man in unterschiedlichste Richtungen, ein Hotel ist gar nicht mehr vorhanden und die Stadtkarte aus dem Reiseführer ist komplett falsch. Es gibt keinen Marktplatz, kein Stadtzentrum oder eine Einkaufspassage, wie es bei uns der Fall ist. Alles ist lieblos aneinandergestückelt, einzig die staatlichen Prunkbauten, das Theater und die überlebensgroßen Statuen des Diktators Turkmenbaschi stechen heraus.
Auch in dieser Stadt ist es wie vorher. Entweder die Begegnungen sind sowjetisch-kalt und kurz angebunden oder man ist nett wie eine Frau, die uns, als wir mitten auf der Hauptstraße mal wieder andere Reiseradler treffen und uns kurz unterhalten, einfach Süßigkeiten und Tee heraus bringt. Was ich von dieser Dualität halten soll, weiß ich noch nicht. Aber ich habe auch, dem Transitvisum geschuldet, keine Zeit mehr es herauszufinden. Es sind nur noch ein paar Kilometer bis zur Grenze nach Usbekistan, dann beginnt ein Abenteuer in einem weiteren Land mit starken russischen Einflüssen.